Kino: Plug & Pray

Gestern abend wurde im Central Programmkino einer jener Dokumentarfilme gezeigt, die einem wirklich Angst machen, weil sie einem zeigen: das ist keine Science Fiction! Es ist die Realität und es passiert genau jetzt! Der Film zeigt den aktuellen Entwicklungsstand in den Laboren für Künstliche Intelligenz, wo Computertechnologie, Robotik, Biologie, Chemie, Neurowissenschaften und Entwicklungspsychologie miteinander verschmelzen.

Wir sehen Prototypen von humanoiden Robotern (also nichts anderes als Androiden! Hier sei der Verweis auf die Überlegungen von Alan N. Shapiro gestattet), die dazu bestimmt sind, uns so ähnlich wie möglich zu werden und uns so in vielerlei Hinsicht zu ersetzen. Für mich hier besonders erschreckend: Es werden hier Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften berücksichtigt, die besagen, dass unser Lernen und damit unsere geistige und emotionale Entwicklung maßgeblich durch unseren Körper geprägt werden. Wenn man also eine Künstliche Intelligenz erschaffen will, die der menschlichen möglichst ähnlich, oder sogar gleich ist, dann muss man ihr auch den entsprechenden Körper geben.

An anderer Stelle geht es um eine andere Form der KI, nämlich die Nanorobotik, die mt ihren “Nanobots” tatsächlich heute schon “Maschinen auf Nanoebene” herstellt. Ein paar Tropfen Flüssigkeit, die ein Programm enthalten und genau so funktionieren wie jeder Computer (vielleicht eine Art App, die man sich möglicherweise schon in wenigen Jahren im zugehörigen Onlinestore kaufen kann?). Diese Flüssigkeit kann einem menschlichen Körper iniziiert werden, sodas er eine Vielzahl kleiner Maschinen in sich hat, die dort verschiedene Funktionen erfüllen, um die organischen Funktionen bestmöglich zu unterstützen. “Gesundheitsvorsorge auf Zellebene” nennt das der Erfinder Raymond Kuzweil, der hier von einem zukünftigen Hybrid aus Mensch und Maschine träumt, die die Evolution um Lichtjahre nach vorne katapultiert und den Alterungsprozess nicht nur verlangsamen, sondern sogar stoppen und umkehren könnte – die finale Überwindung des Todes.

Wer den Film zusammenhält und in hartem Kontrast zu den euphorischen Forschern steht, ist Joseph Weizenbaum, einst Pionier der Computertechnologie und Wegbereiter der Künstlichen Intelligenz, heute ihr schärfster Kritiker. Weizenbaum stellt die Fragen nach dem Sinn und Ziel dieser Allmachtsvisionen, nach Würde und Menschlichkeit, und nach Identität: Wenn mein Körper zu großen Teilen aus Programmen besteht, die andere Leute geschrieben haben – bin ich dann noch ich?

Die letzten Szenen des Films zeigen die Tochter Weizenbaums bei der Wohnungsauflösung. Er ist gestorben. Er ist in Würde gestorben: als Mensch, nicht als Maschine.

Läuft noch heute und morgen um 18.30 Uhr im Central Programmkino Würzburg.
Website des Films: www.plug-pray.de

2 Kommentare »

  1. Lass sie träumen – die Zukunft ist schon längst da.

    Siehe auch bei Isotopp: Artikel mit Tag cyborg

    cu, w0lf.

    Kommentar by fwolf — 17. Januar 2011 @ 07:59

  2. [...] Forschungsfeldern – der Dokumentarfilm Plug&Pray, den ich Ende letzten Jahren hier besprochen [...]

    Pingback by Siri Fiction – « Kaleidosblog — 14. November 2011 @ 15:50

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