Kreativwirtschaft – die Branche der Zukunft

Gestern fand im Mainfrankentheater das 6. Würzburger Wirtschaftsforum zum Thema “Chef, lass uns mal Kultur machen” statt. Hätte ich nicht rein zufällig am Samstag einen Flyer in die Hände bekommen, hätte ich von diesem Umstand wahrscheinlich überhaupt keine Notiz genommen. Und so ging es wohl auch den allermeisten anderen Menschen in Würzburg und anderswo, denn der große Saal der Mainfrankentheaters, der ja einige hundert Besucher hätte beherbergen können, sah von Anfang bis Ende, also von 15.30 bis 22.00 Uhr, recht verwaist aus, waren es doch am Anfang gerade mal 15, gegen Ende vielleicht 30 lauschende Gäste. Eine traurige Veranstaltung, wirklich. Dabei hat man offensichtlich im Vorfeld mit Hilfe mehrerer Sponsoren nicht eben wenig Geld in dieses Event gebuttert. Aber auf die entsprechende Öffentlichkeitsarbeit, das publikumswirksame Marketing, wurde augenscheinlich nicht sehr viel Energie verwendet. Ein erschreckendes Beispiel dafür, wie eine Veranstaltung, bzw. ein Veranstaltungsteam, das sich groß “Wirtschaft” auf die Fahne schreibt, große Mittel von verschiedenster Seite zur Verfügung gestellt bekommt und diese großartig in den Sand setzt. Das hätte sich mal eine “Design”-Veranstaltung leisten sollen (Ich bin übrigens sehr gespannt auf das Voco Designfest am kommenden Wochenende!).

Dabei war die thematische Ausrichtung durchaus ambitioniert und interessant, ging es doch hier nicht nur um “Kultur” im Sinne von “Kunst”, und Kultur im Sinne von Unternehmenskultur, sondern auch – und daher für mich so interessant – um die “Kultur- und Kreativwirtschaft”. Unter diesem Begriff wird seit einigen Jahren alles gesammelt, was man heute als “kreative Berufe” bezeichnet, also neben bildenden Künstlern auch Musiker, Journalisten, Illustratoren, Mode-, Industrie- und natürlich auch Grafikdesigner, aber auch Berufe in Marketing, PR und Werbung, sowie Programmierung. Dementsprechend fällt auch mein Büro eindeutig in diesen Wirtschaftsbereich.

Die Diskussionsrunden waren leider durch eine große Harmonie aller Teilnehmer sowie der Moderatoren geprägt und daher einigermaßen langweilig. Dennoch konnte ich einige wichtige Anregungen und Impulse mit nach Hause nehmen. Am wichtigsten war für mich vor allem die Erkenntnis, dass die Kreativwirtschaft laut der aktuellen Statistik der Bundesregierung mit 1,3 Mio Menschen mittlerweile der drittstärkste Wirtschaftszweig in Deutschland ist, gleich hinter der Chemie- und Automobilindustrie – Tendenz zu Platz zwei! In Bayern ist die Kreativbranche bereits auf dem ersten Platz!

Die Kreativwirtschaft ist damit die Branche der Zukunft, das zeigt sich auch im Hinblick auf die steigenden Umsatzzahlen in diesem Bereich trotz der allgemeinen Rezession in Zeiten der Krise. Das gibt Mut und schafft Selbstbewusstsein. Die Unternehmen aus den übrigen Branchen täten gut daran, die bis heute immer noch unterschätzten und mit großen Ressentiments behafteten Kreativunternehmen ernst zu nehmen. Dieser Zug ist im Rollen und man sollte ihn lieber nicht verpassen. Zukunft, wir kommen!

Wer sich das Programm und die Teilnehmer noch einmal ansehen möchte: http://www.cundc.org/wisy2010blog/

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