Residenzvorlesungen zum Thema Kreativität

Letzten Donnerstag fand die erste Residenzvorlesung zum Thema Kreativität statt. Wer es noch nicht kennt: die Residenzvorlesungen werden in unregelmäßigen Abständen von der Philosophischen Fakultät der Uni Würzburg im Toskanasaal veranstaltet und sind öffentlich. Nach dem Vortrag gibt es die Möglichkeit, in lockerer Runde bei einem Gläschen Wein weiterzudiskutieren. Für das laufende Semester heißt das große Thema “Kreativität”, zu dem es insgesamt vier Veranstaltungen geben wird.

Zur ersten Vorlesung der Reihe war Prof. Dr. Karl-Heinz Brodbeck eingeladen, Wirtschaftswissenschaftler an der FH Würzburg, darüber hinaus aber deutschlandweit bekannt durch zahlreiche, äußerst kritische und durchaus philosophisch ausgerichtete, Publikationen zum Themenspektrum “Wirtschaft und Ethik/Moral”, der seinen Vortrag “Kreativitätsforschung in interdiszilinärer Perspektive” nannte.

Brodbeck gab also hauptsächlich einen Abriss der Geschichte der Kreativitätsforschung, beleuchtete ihre Ursprünge und ihren Werdegang durch die unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen (Theologie, Psychologie, Biologie, Neurowissenschaften, Philosophie, Wirtschaftswissenschaften, etc.) und die damit jeweils einhergehenden Definitionen von Kreativität. Als gemeinsames Merkmal aller Definitionen stellte er dabei folgende Kernthese heraus: Ein kreatives “Produkt” (hier ist er ganz der Wirtschaftler) zeichnet sich dadurch aus, dass es zum einen etwas Neues ist, zum anderen aber zusätzlich eine Wertedimension mitbringt, also vereinfacht gesagt als positiv empfunden wird. Verallgemeinert geht es also zum einen um das “Auffinden” einer Idee, zum anderen aber auch um das “Bewerten” ebendieser.
Statistisch gesehen, so Brodbeck, brauche es 175 Ideen, bevor es zur Erzeugung eines einzigen marktfähigen Produktes kommt. Diese Bewertung der Idee spielt also eine wichtige Rolle und entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Allein mit dem “zufälligen” Auffinden (denn Ideen “macht” man nicht, sie kommen zu einem) ist es also lange nicht getan. Man muss die richtige Idee auch erkennen, also richtig bewerten können. Eine andere Sache wird hier auch deutlich, die Brodbeck ganz klar herausstellt: Kreativität – oder ein kreatives Produkt – ist zu 95% harte Arbeit! Denn es gilt diese Idee auch umzusetzen, zu verwirklichen. Und so hat letztlich jeder Mensch Kreativität in sich, hat Ideen in der einen oder anderen Disziplin. Was diese, als besonders kreativ wahrgenommenen Menschen aber auszeichnet ist ihre Ausdauer, ihre Beharrlichkeit, ja manchmal bis hin zur Besessenheit.

Und noch ein wichtiger Punkt: Kreativität überschreitet Grenzen! Denn sonst kann schließlich nichts wirklich Neues entstehen. Diese Grenzüberschreitung ist unabdingbar für jede Art von Kreativität.

Hier die Termine der Vorlesungsreihe:

Wintersemester 2010/11: “Kreativität – nicht nur in der Kunst”

18.11.2010
Prof. Dr. Karl-Heinz Brodbeck (Würzburg u. Gröbzell):
Kreativitätsforschung in interdiszilinärer Perspektive

2.12.2010
Prof. Dr. Damian Dombrowski (Würzburg):
Imagination und Invention in der Malerei Botticellis.
Kategorien des Kreativen in der Florentiner Renaissance.

16.12.2010
Prof. Dr. Manfred Spitzer (Uni Ulm):
Gehirnforschung und die Kreativität.

3.02.2011
Prof. Dr. Simone Mahrenholz (Berlin):
Imagination und Kreativität.

jeweils 20.00 Uhr im Toskanasaal der Residenz

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