Die Bombe und ich

Jetzt ist sie schon fast wieder aus den Medien, die „Bombe von Bonn“, dem aktuellen Tagesgeschehen gewichen, wie so vieles. Und auch aus meinem Alltag hat sie sich größtenteils schon wieder verabschiedet. Geblieben ist eine gewisse Wachsamkeit, wenn ich morgens am Bahnsteig stehe, Gleis 1, da wo die Bombe vor zwei Wochen zündete und doch nicht explodierte. Das Auge wandert noch etwas unruhig umher, auf der Suche nach einer herrenlosen Tasche, nach einer „auffälligen“ Person, was immer das auch heißen mag. Und doch: es legt sich wieder dieser Schleier über unser Leben, der sich Normalität nennt. Es muss ja weitergehen.

Für kurze Zeit war die Realität in unser Leben getreten, gewaltsam, und hat uns wachgerissen. Oder andersherum: Wir wurden plötzlich Teil der medialen Welt, die täglich über unsere Bildschirme flackert, und uns wurde klar: Es gibt sie da draußen, diese Welt voller Terror, Krieg und Leid, und sie ist real – realer vielleicht als unser tägliches Leben, dieses Leben zwischen Tweets, Likes und Posts – diese Simulation, die uns vergessen lässt was dort draußen passiert.

Denn was immer die Motivation der Terroristen ist, und wie sehr ich auch ihre Überzeugungen ablehne, ist es doch unbestreitbar, dass auch hier das Prinzip von Ursache und Wirkung seine Geltung hat. Die rechten Populisten, genauso wie die islamistischen Hassprediger, die beide einen Krieg der Kulturen konstruieren wollen, verschleiern das eigentliche Problem.

Das Problem ist das gigantische Ungleichgewicht auf dieser Erde. Das Problem ist die extreme Armut der vielen, die uns wenigen unseren Reichtum ermöglicht. Das ist der Nährboden in dem die Saat des Terrors Wurzeln schlagen kann. Das Leid und Elend, das wir billigend in Kauf nehmen – um unserer Normalität willen.

Die Bombe macht klar: Wir sind nicht entkoppelt von der Welt da draußen. Nein, wir sind ein Teil der Ereignisse, die rund um diesen Erdball geschehen. Und wir tragen einen Teil der Verantwortung.