Simplexity – von der Schwierigkeit des Einfachen

“Was für den Kunden einfach ist, bedeutet für Unternehmen enorme Aufwände und Komplexität.” Dieser Satz stammt von Peter Wippermann, Trendforscher und Gründer von Trendbüro. “Simplexity”, ein Begriff, der ebenfalls von Wippermann geprägt wurde, beschreibt genau den Prozess, der abläuft, wenn jemand eine Suchanfrage bei Google eingibt. Die Einfachheit des Vorgangs am heimischen Bildschirm/Smartphone wird gewährleistet durch eine hochkomplexe Vielzahl an Prozessen, die auf einer Unzahl von Servern auf dem ganzen Globus ablaufen. So ist Google geradezu zum Inbegriff dieser Simplifizierung bei gleichzeitiger Komplexifizierung geworden. Der Internetaktivist, Unternehmensberater und Blogger (was noch?) Sascha Lobo bezeichnete den schlichten Suchschlitz mit nebenstehendem Go-Button folglich auch als das “beste User Interface der Welt”.

Es wird alles komplexer, damit es einfacher wird

Googles großer Verdienst liegt in der Reduzierung der schier endlosen Menge an Informationen im Netz auf wenige relevante Suchergebnisse. Bei exponentiell steigender Komplexität und Vielfalt der verfügbaren Informationen bedarf es dieser Vereinfach durch Reduktion, um das Medium Internet überhaupt nutzbar zu machen.
Wippermann drückt das in drei Grundthesen aus:
1. “Das Drama des Fortschritts der Technik ist die begrenzte menschliche Merkfähigkeit”, 2. “Konsumenten sind rational überfordert und emotional unterfordert”, 3. “Das Marketing wird komplexer, um es Konsumenten simpler zu machen”. Damit sind das Dilemma des Internets, Googles Daseinsberechtigung und die Herausforderungen des Suchmaschinenmarketings (SEO, Adwords, etc.) hinreichend charakterisiert.

Auf dieser Basis führt Simplexity, so Wippermann weiter, “zu individuellen, schnellen, smarten Entscheidungen, die nicht optimal, aber ‘gut genug’ sind”. Denn möglicherweise liefert uns die Google Suche nicht das bestmögliche Ergebnis für unser Anliegen, aber doch zumindest eine Auswahl an Möglichkeiten, die “gut genug” sind.

Das beste User Interface der Welt

Um noch einmal auf den Aspekt des Interfaces zurückkommen: Ausgehend von Googles Suchschlitz kann man bei genauerer Betrachtung das Prinzip der Simplexity auf den gesamten Bereich des User Interface Designs anwenden. Denn auch hier liegt angesichts der zunehmenden Komplexität der Prozesse gerade in der Vereinfachung der große Mehrwert eines guten Interfaces.

Vereinfachung durch Reduktion

Klare Strukturierung, die Entwicklung von Workflows, die Hierarchisierung von Information, die grafische Organisation des Screens, die Standardisierung der Abläufe, die Optimierung der User Experience durch Multitouch und Modifizierung des Verhaltens – all diese Methoden zur Optimierung der Benutzerfreundlichkeit basieren auf einer Grundlage: der Vereinfachung durch Reduktion.

Angesichts der weiterhin zunehmenden Komplexität der technischen Abläufe, die sowohl unser Berufs- als auch unser Privatleben immer stärker dominieren, ist die vorschreitende Reduktion der Interfaces vielleicht die einzige Möglichkeit, auch noch in Zukunft den Überblick über die Prozesse zu behalten, die wir täglich steuern.