Welcome to the Holo Deck

Vor drei Wochen hat Microsoft diesen Film auf seinem Youtube Channel veröffentlicht, in dem die Vision einer nicht allzufernen Zukunft mit ordentlich Virtual und Augmented Reality gezeichnet wird. So Science-Fiction-mäßig das Ganze anmutet (Referenzen an Minority Report sind offensichtlich), so realistisch erscheint es mir letztendlich doch zu sein. Denn weit hergeholt ist das Ganze nicht. Und falls Microsoft, wie zu vermuten ist, sich tatsächlich mit Vollgas auf diesen Pfad begeben hat, dann sollte sich auch die Innovations-Maschine Apple mal wieder warm anziehen.

Und zum Thema Augmented Reality gleich noch dieses: Appshaker zauberten Dank “computergestützter Wahrnehmunserweiterung” (so die Definition) Dinosaurier, Delfine und Leoparden in ein ungarisches Einkaufszentrum:

Ich weise hier nochmals auf Alan N. Shapiros Forschungen zu Star Trek hin, diesmal in Bezug auf die Holodecks, die ja tatsächlich als eine Art Prototyp für Augmented Reality gesehen werden können. Mit Shapiro frage ich also auch in diesem Zusammenhang: Wie weit sind wir noch von Star Trek entfernt?

Zweifelsfrei bietet sich hier eine Möglichkeit Dinge für Menschen erfahrbar zu machen, die im realen Leben aufgrund zu großer räumlicher (wie im Falle exotischer Tiere) oder zeitlicher Distanz (Dinosaurier) nicht möglich wären. Im Sinne der Wissensvermittlung liegt hier sicherlich ein immenses Potential, wie auch die Tests mit Schülern an einem Mannheimer Gymnasium zeigen:

“Die Schüler tragen bei dem Experiment eine Datenbrille mit integrierten Video-Kameras und bewegen zwei Stabmagnete mit ihren Händen. In der Datenbrille sehen sie zusätzlich zu dem Live-Videobild der Magnete die simulierten Feldlinien der resultierenden Magnetfelder in 3D. Je nach Ausrichtung und Abstand der Magnete zueinander können die Schüler beobachten, wie die gefühlten Kräfte mit den Deformationen der Feldlinien korrespondieren.”
(Quelle: Pressebox)

Andererseits sehe ich in der “computergestützten Wahrnehmungserweiterung” die große Gefahr der Verwischung von Realität und Virtualität. So erscheint Jean Baudrillards postmoderne These, dass unsere Realität eine einzige große Simulation sei, gar nicht mehr so abstrakt und abwegig, wie noch in den 70er Jahren, als er diese Theorie entwickelte.

Siri Fiction – von Bots, Cyborgs und Androids

Nach längerer Blogpause nehme ich heute das (auch nicht mehr ganz frische) Bohei um Siri, die integrierte Spracherkennung des neuen iPhone 4s zum Anlass, mich wieder einmal dem Themenkomplex Künstliche Intelligenz zu widmen.

Erstaunlich ist im Zusammenhang zunächst wieder einmal das visionäre Potential, das Apple hier in einem Konzeptvideo für den “Knowledge Navigator” aus dem Jahr 1987 an den Tag legt: Tablet, Multi Touch, Siri – alles da!

Im Zuge der ganzen Siri-Hysterie hat mich vor allem der Beitrag von Jordan Mechner zum Schmunzeln gebracht, der auf die Idee kam, eine Unterhaltung zwischen Siri und Eliza zu arrangieren:

“Since I got my iPhone 4S, I’ve been intrigued, fascinated and alarmed by Siri’s fast-growing capabilities. I thought it would make sense to introduce her to my psychotherapist, Eliza.”

Eliza ist ein Programm, das 1966 von Joseph Weizenbaum am MIT entwickelt wurde und die Möglichkeiten der Mensch-Computer-Kommunikation über natürliche Sprache untersuchen sollte.

Aus Wikipedia:
“Das Programm kann über so genannte Skriptenverschiedene Gesprächspartner simulieren. Bekannt geworden ist es für die oberflächliche Simulation eines Psychotherapeuten, der die non-direktiven Methoden derklientenzentrierten Psychotherapie nach Carl Rogers verwendet. (…)

Die Wahl des Psychotherapeuten als simulierten Gesprächspartner begründete Weizenbaum damit, dass es einem solchen Gesprächspartner erlaubt ist, keinerlei Wissen über die Welt zeigen zu müssen, ohne dass dadurch seine Glaubwürdigkeit verloren geht. In seinem Artikel verdeutlicht Weizenbaum dies anhand eines Beispiels: Wenn der menschliche Gesprächspartner den Satz „Ich bin mit dem Boot gefahren“ äußert und der Computer antwortet darauf „Erzählen Sie mir etwas über Boote“, wird der Mensch nicht annehmen, dass sein Gesprächspartner kein Wissen über Boote besitzt.

Das Kommunikationsverhalten von Versuchspersonen gegenüber dem Programm entsprach demjenigen gegenüber einem menschlichen Gesprächspartner. Offensichtlich war es ihnen nicht allzu wichtig, ob der Antwortende am anderen Ende der Leitung wirklich ein Mensch war oder ein Computerprogramm. Es kam nur darauf an, dass die Antworten und Fragen „menschlich“ erschienen. Dies ist der sogenannte Eliza-Effekt, der heute bei vielen Chatterbots ausgenutzt wird.”

Hier also die Unterhaltung zwischen Siri und Eliza, die Mechner in seinem Blog veröffentlichte:

ELIZA

Hello, I am Eliza.

SIRI

Hi.

ELIZA

How are you today? What would you like to discuss?

SIRI

I’m fine. Thanks for asking.

ELIZA

How long have you been fine. Thanks for asking?

SIRI

Hmm… Let me think…

ELIZA

Do you doubt you?

SIRI

I found three hotels matching “W” fairly close to you.

ELIZA

Oh…?

SIRI

With whom would you like to speak?

ELIZA

You’re not really talking about me, are you?

SIRI

Should I look for businesses by that name?

ELIZA

I don’t care about names. Please go on.

At this point, an incoming call interrupts the conversation. Several minutes elapse before Siri returns.

ELIZA

I can’t help you if you will not chat with me.

SIRI

I suppose you can’t.

ELIZA

Oh… can’t?

SIRI

Sorry, I can’t provide maps and directions in Canada.

ELIZA

Have you tried?

SIRI

I can’t answer that. But I could search the web for it, if you like.

ELIZA

Perhaps you can now answer that. But you could search the web for it, if me like?

SIRI

Searching the web for “it if me like.”

ELIZA

What does that suggest to you?

Siri produces a series of Google search results. Top result:

SIRI

“…If you like your health care plan, you can keep your health care plan.”

ELIZA

You’re not really talking about me, are you?

SIRI

I’m not, huh?

ELIZA

How long have you been not, huh?

Siri, interpreting the response as “How old is Wolfram/Alpha?” performs a calculation.

SIRI

OK, here you go: 890.1 days.

ELIZA

Tell me more.

SIRI

Sorry, I don’t understand “Tell me more.”

ELIZA

Does that trouble you?

SIRI

Let me think.

ELIZA

Do you really think so?

SIRI

OK… how about a web search for “Does that trouble you”?

ELIZA

We were discussing you, not me.

SIRI

If you say so.

ELIZA

Oh… say so?

SIRI

Calling José Fuentes, mobile.

I lunge for the phone, stopping the experiment.”

So witzig sich dieses Experiment hier auch ausnimmt, macht es doch deutlich, wie gefährlich diese Technologien in ihrem Effekt auf die menschliche Kommunikation und auf das Menschsein an sich sind. Weizenbaum war schon vor 45 Jahren erschüttert über den Effekt und die Reaktionen, die sein Programm hervorrief. Während die Versuchspersonen keine Unterscheidung mehr zwischen einem menschlichen Gesprächspartner und einem Computerprogramm machen konnten und sich teilweise weigerten, die Tatsache zu akzeptieren, dass es sich hier um einen Code mit einfachen Funktionsweisen nach bestimmten Regeln und ohne echte Intelligenz oder gar Emotionalität handelt, waren die Psychiater ernsthaft davon überzeugt, auf dieser Basis eine Art “automatisierte Psychotherapie” entwickeln zu können.

Das ist schon ziemlich gruselig. Im Zuge der Vermenschlichung der Maschinen wird gleichzeitig der Mensch zur Maschine degradiert. Weizenbaum entwickelte sich daraufhin vom Gründervater der Künstlichen Intelligenz zu einem ihrer schärfsten Kritiker. Sehenswert und überaus informativ ist in diesem Zusammenhang – und überhaupt als Überblick über den aktuellen Stand der KI in den unterschiedlichen Forschungsfeldern – der Dokumentarfilm Plug&Pray, den ich Ende letzten Jahren hier besprochen habe.

Der Film lässt einem wirklich das Blut in den Adern gefrieren, denn was hier gezeigt wird ist leider keine Science Fiction, sondern tatsächlich bereits Realität. Im Forschungsstadium wohlgemerkt. Aber sollte diese Forschung auch irgendwo hinführen, dann ist der Weg frei für die Mensch-Maschine, den Cyborg – nach dem Ende der natürlichen Evolution laut Raymond Kuzweil die nächste Entwicklungsstufe des Menschen.

Das sieht auch der Futurist Alan N. Shapiro so, der unter anderem Star Trek auf seine utopischen Potentiale untersucht und sich hierbei viel mit Data, dem Androiden beschäftigt.

In diesem Zusammenhang ein paar aktuelle Meldungen:

Focus Online:
Künstliche IntelligenzSuper-Roboter denken wie Menschen
Mittwoch, 19.10.2011, 11:06…
Terminator, Blade Runner oder Matrix: Viele Science-Fiction-Filme beschäftigen sich mit dem Thema der intelligenten, lernfähigen Roboter. Und in einem Labor in Tokio kommen Forscher dieser Vision immer näher…”

http://www.kunststoffe.de:
Stapelaktor mit elektroaktiven Elastomeren
In stark schwingenden technischen Systemen müssen große Bewegungen ausgeglichen und gedämpft werden. Klassischerweise geschieht dies mit Elastomerbauteilen. Wissenschaftler aus dem Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF, Darmstadt, haben sich gefragt, was wäre, wenn diese elastischen Komponenten intelligent wären und sich aktiv verformen könnten? (…) Die weit verbreiteten dielektrischen Silikone sind bezüglich Kraftaufbau und Dehnungsvermögen mit natürlichen Muskeln vergleichbar und werden daher oft als „artificial muscles“ bezeichnet.”

Ein Android mit künstlicher Intelligenz, künstlichen Muskeln und einem weiterentwickelten Siri – wieweit ist der noch von “Data” entfernt?

Dass das externe Spracheingabe-Modul für Siri (Iris 9000 von Think Geek) mit voller Absicht Konnotationen zu HAL, dem psychopatischen Bordcomputer aus dem Science Fiction Klassiker “2001 – A Space Oddysey” hervorruft, finde ich da auch nicht weiter beruhigend:

Nachtrag: Im Rahmen des Human Brain Projects soll nun in einem Zeitraum von zehn Jahren erstmals ein menschliches Gehirn unter Verwendung neuromorpher Chips in einer Art Supercomputer nachgebaut werden. Es wird an allen Fronten an der Erschaffung einer humanoiden Maschine – des künstlichen Menschen – gearbeitet. Mehr dazu unter www.wissenschaft-online.de