El Lissitzky – ein gestalterisches Universalgenie

Eines meiner Lieblingbücher ist die Werkschau über das Lebenswerk El Lissitzkys (1890-1941), herausgegeben 1967 von seiner Witwe Sophie Lissitzky-Küppers im VEB Verlag der Kunst, Dresden. Seines Zeichens Maler, Architekt, Typograf und Fotograf war Lissitzky ein universeller Designer und visionärer Gestalter, der (als einer der Köpfe des Konstruktivismus) all diese Disziplinen revolutionierte und so (unter anderem) unsere modernen Grundlagen für Grafikdesign und Typografie schuf, die bis heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben. Das Buch zeigt die Vielseitigkeit seines Werkes, zusammengestellt von einer Frau, die ihn wohl besser kannte, als jeder andere Mensch. Interessant sind die Querverweise zwischen den verschiedenen Disziplinen innerhalb seines Werkes, wenn zum Beispiel sein Architekturmodell des Wolkenbügels sich direkt aus einer typografischen Konstruktion ableiten lässt, oder umgedreht (wie in dem konstruktivistischen Kinderbuch “Von zwei Quadraten”) eine grafische Komposition geradezu architektonische Züge annimmt.

Lissitzky – ein Mensch der seiner Zeit weit voraus war, den die Grenzen der technischen Möglichkeiten nicht interessierten (in den Zwanzigern war man vom Offset-Druck noch einige Jahrzehnte entfernt; im damals noch üblichen Hochdruckverfahren war eine schräg gesetzte Typo der Horror für jeden Buchdrucker) und der die Sehgewohnheiten der Menschen sprengte, indem er eine neue Formensprache schuf – nicht als Selbstzweck, sondern um eine neue Gesellschaft zu formen. Das Bewusstsein für die gesellschaftliche Verantwortung des Designers wird in jedem von El Lissitzkys Werken deutlich, ob es nun Kinderbücher sind, Plakate, Architekturentwürfe, Konzepte für Ausstellungen und Messestände oder Gemälde und Objekte. Damit widerlegt er schon vorab die Behauptung des Industriedesigners Victor Papanek, Grafikdesigner könnten durch ihre Arbeit nichts gesellschaftlich Relevantes beitragen (in seinem Buch “Design for the Real World”,1971). Darin liegt Lissitzkys großer Verdienst. Und darin kann er uns allen ein Vorbild sein.

Neuhängung im Kulturspeicher Würzburg

Mit großer Freude habe ich in einem Interview mit Peter C. Ruppert gelesen, dass für seine Sammlung Konkreter Kunst im Kulturspeicher Würzburg für Anfang 2011 eine Neuhängung geplant ist. Denn als großer Freund konkreter Kunst bin ich von den ausgestellten Werken zwar immer wieder begeistert, musste aber erst letzte Woche wieder feststellen, dass sich da seit der Eröffnung (Wann war das? 2002?) kaum etwas verändert hat. Schön also, dass man nun bald einen kompletten Tapetenwechsel erleben wird. Und wer nochmal die bisherige Ausstellung sehen will, sollte sich beeilen.
Allgemein finde ich es von unschätzbarem Wert ist, eine solche Sammlung hier in Würzburg zu haben. Einfach phantastisch!

Pinakothek der Moderne

Am Wochenende war ich in München und habe die Gelegenheit genutzt, endlich einmal die Pinakothek der Moderne zu besuchen. Und besonders gefreut habe ich mich natürlich auf die WELTGRÖSSTE SAMMLUNG VON DESIGNOBJEKTEN, für die die Pinakothek ja bekannt ist. Verständlich natürlich, dass nur ein Bruchteil der Sammlung gezeigt wird, deren Bestand auf mehrere geheime Lagerhallen irgendwo in Bayern verteilt ist. Schon allein dieses Mysterium finde ich irgendwie eine ulkige kleine Design-Anekdote. Toll, endlich mal all die alten Klassiker in Original sehen zu können – gerade für einen Stuhl-Fetischisten wie mich. Davon abgesehen sind natürlich auch die Sammlungen Moderner Kunst, sowie Grafik und Architektur mehr als sehenswert.

Noch ein Tip: ein altes Gesetz von König Ludwig (Der Erste? Der Zweite? Hmmm.) macht es möglich, dass alle staatlichen Museen in München (so auch die Pinakotheken) an Sonntagen nur 1 Euro Eintritt verlangen! Es lohnt sich.

kunstperformance in der pinakothek der moderne

My Desktop

OSX 10.4.7 b from JODI on Vimeo.

Das Net-Art-Duo “jodi” zeigt hier, was man einem armen Mac so alles antun kann. Nichts für schwache Nerven. Macfans Vorsicht: Das bereitet einem fast körperliche Schmerzen! Frage hier an Alan N. Shapiro: Gibt es Folter an Maschinen? Brauchen wir eine Maschinenrechtskonvention? Sollte man wirklich mal drüber nachdenken.
Mehr Mac-Foltervideos unter http://mydesktop.jodi.org/

Wenn man jodi.org googelt findet sich noch eine Vielzahl weiterer Seiten des Künstlerduos – jede ein kleines Kunstwerk. Aber Vorsicht: die beiden haben es sich offenbar zum Ziel gesetzt, das Netz – oder Computertechnologie im Allgemeinen – ad absurdum zu führen. Und jeder kriegt dabei sein Fett weg. Zum Beispiel auch Max Payne unter http://maxpaynecheatsonly.jodi.org/

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UbuWeb

Eben entdeckt: eine Datenbank mit unzähligen Audio- und Videoaufnahmen verschiedenster Künstler, die irgendwie dem Spektrum Avantgarde zugerechnet werden können.

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Hier finden sich Kuriositäten und Schätze wie Kurt Schwitters legendäre “Ursonate” von 1922, oder auch beispielsweise ein Video “Poême électronique”, das der Komponist und Elektronik-Pionier Edgar Varese gemeinsam mit dem Architekten Le Corbusier für den Phillips-Pavillon auf der Weltausstellung in Brüssel 1958 konzipierte.

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