2. Kammerkonzert: Arnold Schönberg

Eines meiner musikalischen Langzeitprojekte ist die langsame Annäherung an die klassische Musik. Als jemand, der eindeutig aus der schwarzen Ecke/Jazzecke kommt, war es für mich anfänglich absolut unmöglich, mich intellektuell mit dieser typisch “weißen” Musik auseinanderzusetzen. Letztlich habe ich über die Beschäftigung mit elektronischer Musik (die meiner Ansicht nach – im besten Fall – die aktuelle und als solche zukunftsweisende Synthese aus afrikanischen und europäischen musikalischen Traditionen ist) und – als weiteren Schritt – mit “Neuer Musik” einen gewissen Zugang zur klassischen Musik bekommen. Der Besuch einiger Sinfoniekonzerte in der Musikhochschule (Rachmaninoff wird mir hier in ewiger Erinnerung bleiben) hat mich erfahren lassen, was den Dirigenten Sergiu Celibidache dazu veranlasste, sich strikt gegen die Aufzeichnung seiner Konzerte zu stellen (es gibt glücklicherweise dennoch einige Aunahmen): Klassische Musik muss man live erleben! Es ist nicht möglich auf Platte zu pressen oder digital einzufangen und später im heimischen Wohnzimmer abzuspielen, was es für ein Gefühl ist, in einem Konzertsaal von einem Orchester mitgerissen zu werden. Das ist nicht nur ein Hörerlebnis, es ist ein körperliches!
Gestern habe ich daher einen neuen Schritt gewagt und bin zu meinem ersten Kammerkonzert im Toskanasaal der Residenz gegangen. Arnold Schönberg stand auf dem Programm, also einer der Väter, wenn nicht DER Vater der Neuen Musik, Erfinder der Zwölftontechnik (Mehr über Arnold Schönberg hier). Seine “Kammersinfonie in E-Dur, op.9″ löste 1906 einen Skandal aus, im Toskanasaal blieb es ruhig, vielleicht weil man am Sonntag Morgen um 11 Uhr noch nicht zu Tumult in der Lage war. Nach der Pause folgte “Pierrot Lunaire”, eine Vertonung von 21 Gedichten Albert Girauds von 1912. Der strahlende Sonnenschein, der um 12 Uhr mittags aus dem Residenzgarten hereindrang, wollte nicht so recht zu den düsteren Zeilen passen, aber dennoch: ein Klangerlebnis der anderen Art!

Residenzvorlesungen zum Thema Kreativität

Letzten Donnerstag fand die erste Residenzvorlesung zum Thema Kreativität statt. Wer es noch nicht kennt: die Residenzvorlesungen werden in unregelmäßigen Abständen von der Philosophischen Fakultät der Uni Würzburg im Toskanasaal veranstaltet und sind öffentlich. Nach dem Vortrag gibt es die Möglichkeit, in lockerer Runde bei einem Gläschen Wein weiterzudiskutieren. Für das laufende Semester heißt das große Thema “Kreativität”, zu dem es insgesamt vier Veranstaltungen geben wird.

Zur ersten Vorlesung der Reihe war Prof. Dr. Karl-Heinz Brodbeck eingeladen, Wirtschaftswissenschaftler an der FH Würzburg, darüber hinaus aber deutschlandweit bekannt durch zahlreiche, äußerst kritische und durchaus philosophisch ausgerichtete, Publikationen zum Themenspektrum “Wirtschaft und Ethik/Moral”, der seinen Vortrag “Kreativitätsforschung in interdiszilinärer Perspektive” nannte.

Brodbeck gab also hauptsächlich einen Abriss der Geschichte der Kreativitätsforschung, beleuchtete ihre Ursprünge und ihren Werdegang durch die unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen (Theologie, Psychologie, Biologie, Neurowissenschaften, Philosophie, Wirtschaftswissenschaften, etc.) und die damit jeweils einhergehenden Definitionen von Kreativität. Als gemeinsames Merkmal aller Definitionen stellte er dabei folgende Kernthese heraus: Ein kreatives “Produkt” (hier ist er ganz der Wirtschaftler) zeichnet sich dadurch aus, dass es zum einen etwas Neues ist, zum anderen aber zusätzlich eine Wertedimension mitbringt, also vereinfacht gesagt als positiv empfunden wird. Verallgemeinert geht es also zum einen um das “Auffinden” einer Idee, zum anderen aber auch um das “Bewerten” ebendieser.
Statistisch gesehen, so Brodbeck, brauche es 175 Ideen, bevor es zur Erzeugung eines einzigen marktfähigen Produktes kommt. Diese Bewertung der Idee spielt also eine wichtige Rolle und entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Allein mit dem “zufälligen” Auffinden (denn Ideen “macht” man nicht, sie kommen zu einem) ist es also lange nicht getan. Man muss die richtige Idee auch erkennen, also richtig bewerten können. Eine andere Sache wird hier auch deutlich, die Brodbeck ganz klar herausstellt: Kreativität – oder ein kreatives Produkt – ist zu 95% harte Arbeit! Denn es gilt diese Idee auch umzusetzen, zu verwirklichen. Und so hat letztlich jeder Mensch Kreativität in sich, hat Ideen in der einen oder anderen Disziplin. Was diese, als besonders kreativ wahrgenommenen Menschen aber auszeichnet ist ihre Ausdauer, ihre Beharrlichkeit, ja manchmal bis hin zur Besessenheit.

Und noch ein wichtiger Punkt: Kreativität überschreitet Grenzen! Denn sonst kann schließlich nichts wirklich Neues entstehen. Diese Grenzüberschreitung ist unabdingbar für jede Art von Kreativität.

Hier die Termine der Vorlesungsreihe:

Wintersemester 2010/11: “Kreativität – nicht nur in der Kunst”

18.11.2010
Prof. Dr. Karl-Heinz Brodbeck (Würzburg u. Gröbzell):
Kreativitätsforschung in interdiszilinärer Perspektive

2.12.2010
Prof. Dr. Damian Dombrowski (Würzburg):
Imagination und Invention in der Malerei Botticellis.
Kategorien des Kreativen in der Florentiner Renaissance.

16.12.2010
Prof. Dr. Manfred Spitzer (Uni Ulm):
Gehirnforschung und die Kreativität.

3.02.2011
Prof. Dr. Simone Mahrenholz (Berlin):
Imagination und Kreativität.

jeweils 20.00 Uhr im Toskanasaal der Residenz

Mein Lieblingscafé

Ein weiterer, wenn auch nicht mehr allzu neuer Impuls in Würzburgs Stadtlandschaft ist das “zweiviertel” in der Neubaustraße. Sehr geschmackvoll und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet, überzeugt es durch eine kleine aber äußerst feine Abendkarte mit exquisiten Gerichten zu günstigen Preisen. Außerdem gibt es eine wiederum kleine aber feine Auswahl an fränkischen Bieren und internationalen Weinen. Klasse statt Masse. Und das auch noch ohne teuer. Wunderbar.

Central Programmkino in Würzburg

Es ist zwar jetzt schon ein paar Wochen alt, aber das neue Programmkino Central hat, finde ich, trotzdem noch einen Artikel hier verdient. Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich wirklich durchweg begeistert bin! Zum einen von der guten Filmauswahl. Hier haben sich wirklich Leute Gedanken gemacht und ein abwechslungsreiches und vielschichtiges Programm gestaltet, das sich deutlich vom Einheitsbrei des Cinemaxx abhebt. Zum anderen von der grandiosen Kulisse, dem alten Mozart-Gymnasium, dessen Architektur geschickt genutzt und stilvoll modifiziert wurde. So eignet sich die breite Glasfront hervorragen zur Außendarstellung, ohne dass dabei ein Schild oder Ähnliches aufwändig angebracht werden musste. Der Eingangsbereich ist das perfekte Foyer in das eine schlichte Theke (für Kinokasse und Knabbereienverkauf) gebaut wurde. Übr die gewundene breite Treppe gelangt man zu den beiden Eingängen der ehemaligen Aula, die als Kinosaal ein zweites Leben beginnt. Der abgeschrägte Saal mit Bühne und kompletter Bestuhlung wirkt so, als hätte er nur auf diese neue Art der Nutzung gewartet. Es ist diese Einfachheit der Mittel, diese Mischung aus Professionellem und Provisorischem, dieses “Amateur”- also Liebhaber-hafte, das den besonderen Charme des neuen Programmkinos ausmacht. Ein Stück Kultur, ein Stück Urbanität wird der Stadt damit wiedergegeben. Man erkennt an dem regen Ansturm besonders am Wochenende, wie dringend notwendig das war, welch riesiges Loch die Schließung des Corso Kinos Ende letzten Jahres gerissen hatte. Würzburg braucht solche Impulse, um nicht im provinziellen Einheitsbrei zu versinken.

Der Vollständigkeit halber noch ein paar kritische Anmerkungen: Ich bin mir nicht sicher, inwiefern das derzeitige Programmkonzept nicht ein etwas zu starres Korsett ist: zwei Filme (Früh- und Spätvorstellung) bis zu 7 Tage am Stück synchron laufen zu lassen, halte ich für ziemlich gewagt. Da erscheint mir das Konzept des Casablanca in Ochsenfurt (die Filme wechseln nach wenigen Tagen, in Asynchronität von Früh- und Spätvorstellung, manche Filme laufen nur ein, zwei Mal) irgendwie sinnvoller. Ich hoffe, dass man hier nicht den gleichen Fehler wie das Corso Kino macht.
Und die alten Sitze in der ehemaligen Aula sind wirklich sehr unbequem bei langem Sitzen. Die gegen Pfand an der Kasse angebotenen Sitzkissen sind also dringend zu empfehlen! Da wären ein paar ordentliche Kinosessel (was ist eigentlich mit denen im Corso passiert?) wirklich eine Investition für die Zukunft.