Die Bombe und ich

Jetzt ist sie schon fast wieder aus den Medien, die „Bombe von Bonn“, dem aktuellen Tagesgeschehen gewichen, wie so vieles. Und auch aus meinem Alltag hat sie sich größtenteils schon wieder verabschiedet. Geblieben ist eine gewisse Wachsamkeit, wenn ich morgens am Bahnsteig stehe, Gleis 1, da wo die Bombe vor zwei Wochen zündete und doch nicht explodierte. Das Auge wandert noch etwas unruhig umher, auf der Suche nach einer herrenlosen Tasche, nach einer „auffälligen“ Person, was immer das auch heißen mag. Und doch: es legt sich wieder dieser Schleier über unser Leben, der sich Normalität nennt. Es muss ja weitergehen.

Für kurze Zeit war die Realität in unser Leben getreten, gewaltsam, und hat uns wachgerissen. Oder andersherum: Wir wurden plötzlich Teil der medialen Welt, die täglich über unsere Bildschirme flackert, und uns wurde klar: Es gibt sie da draußen, diese Welt voller Terror, Krieg und Leid, und sie ist real – realer vielleicht als unser tägliches Leben, dieses Leben zwischen Tweets, Likes und Posts – diese Simulation, die uns vergessen lässt was dort draußen passiert.

Denn was immer die Motivation der Terroristen ist, und wie sehr ich auch ihre Überzeugungen ablehne, ist es doch unbestreitbar, dass auch hier das Prinzip von Ursache und Wirkung seine Geltung hat. Die rechten Populisten, genauso wie die islamistischen Hassprediger, die beide einen Krieg der Kulturen konstruieren wollen, verschleiern das eigentliche Problem.

Das Problem ist das gigantische Ungleichgewicht auf dieser Erde. Das Problem ist die extreme Armut der vielen, die uns wenigen unseren Reichtum ermöglicht. Das ist der Nährboden in dem die Saat des Terrors Wurzeln schlagen kann. Das Leid und Elend, das wir billigend in Kauf nehmen – um unserer Normalität willen.

Die Bombe macht klar: Wir sind nicht entkoppelt von der Welt da draußen. Nein, wir sind ein Teil der Ereignisse, die rund um diesen Erdball geschehen. Und wir tragen einen Teil der Verantwortung.

Hyperrealität des SuperGAU

Es ist sehr interessant, die gegenwärtigen Ereignisse in Japan und deren Rezeption in der deutschen Öffentlichkeit im Hinblick auf die Theorie Baudrillards von Simulation und Hyperrealität zu untersuchen. Hier zeigt sich besonders deutlich die ganz reale Macht der Zeichen.

Quelle: de.euronews.net

Baudrillard beschäftigt sich mit der Zeichenhaftigkeit von Dingen und Ereignissen. Er behauptet, dass der Zeichencharakter der Dinge ihr eigentlicher Inhalt geworden ist. So ist beispielsweise „Sushi“ in seiner grundsätzlichen Funktion als kulinarisches Erlebnis heute in der westlichen Gesellschaft überlagert von seiner Nebenfunktion als Zeichen für Urbanität und Hipness. „Sushi“ ist also vorrangig ein Zeichen, ja mehr noch eine Simulation von Urbanität, wenn es etwa in einem Kleinstadtlokal konsumiert wird.

Darüber hinaus werden durch die Simulation Zeichen geschaffen, die realer sind (oder erscheinen) als die Realität selbst – sie sind „hperreal“. Dies wird umso offensichtlicher, wenn man die modernen Medien untersucht, in denen permanent Zeichen geschaffen werden, die uns bald realer vorkommen als unser wirkliches Leben. Was ist also realer: die Fernsehnachrichten, die von einer Hungerkatastrophe in Afrika berichten (Simulation von Hunger), oder das Regal mit Fertiggerichten im Supermarkt, welches selbst als Simulation von Nahrung gesehen werden kann?

Quelle: elhabib.at

So ist auch Fukushima – ebenso wie damals Tschernobyl – von Anfang an Zeichen gewesen. Die beiden Ereignisse verschmelzen in den Medien zu einem Superzeichen, hinter dem das eigentliche Ereignis und die tatsächliche Tragödie zurücktritt. Aktuelle Meldungen aus Japan mischen sich mit Dokumentationen über Tschernobyl, sodass die Vergangenheit die Zukunft schon vorwegnimmt und es zu einer Kernschmelze der Zeiten kommt. „Tschernoshima“ ist zum hyperrealen Zeichen geworden für die unberechenbare atomare Bedrohung, welches die deutsche Regierung zu einem beispiellosen Umschwenken in der Energiepolitik bewog.

Quelle: reyl.de

Der Macht dieses Zeichens haben die Befürworter der Atomkraft nichts entgegenzusetzen. Erschreckend ist dabei nur, dass die Realität vorher keine andere war als jetzt auch. Die Gefahren der Atomenergie sind seit Jahrzehnten bekannt, Störfälle sind seit Harrisburg immer wieder und, wie in Tschernobyl, mit katastrophalen Folgen geschehen. An den Fakten also hat sich nichts geändert.

Quelle: nzz.ch

Was sich geändert hat, ist, dass die Simulation von Sicherheit in Form von Unwahrscheinlichkeiten („Einmal in einer Million Jahre“) zerstört wurde durch Tschernoshima – dieses hyperreale Superzeichen, das realer in unseren Köpfen sitzt als der ganz reale SuperGAU, die Kernschmelze, die ja doch offensichtlich stattfindet. Messwerte, die uns mitteilen, dass die Strahlung an den Reaktoren mittlerweile ca „zehn Millionen Mal höher als der Normalwert“ ist (Sueddeutsche Zeitung, 27.03.2011), sprengen unsere Vorstellungskraft und verabschieden sich in die Sphäre des Mystischen. Computeranimationen, die uns die technischen Details vermitteln sollen, erinnern in ihrer Anmutung an Zeichentrickfilme und kommen damit dem Reich der Fiktion bedenklich nahe. Die Bilder der havarierten Reaktorblöcke scheinen letztlich einem Science Fiction Film entnommen zu sein. Die reale Katastrophe entzieht sich der Realität und macht der Hyperrealität des Superzeichens platz.

Quelle: de.toonpool.com

Diese Hyperrealität ist es, die unsere Rezeption und Diskussion hier in Deutschland bestimmt. Nicht die reale Bedrohung bringt die Regierung zum Kurswechsel, oder die Demonstranten auf die Straße, sondern das übermächtige Zeichen, dem sich niemand widersetzen kann. Kurz gesagt: Veränderungsdruck wird nicht durch reale Ereignisse erzeugt – sondern durch hyperreale Zeichen.

Designwerkstatt 2011 _ Review

Nun ist sie schon seit einer Woche vorbei und ich komme endlich dazu, hier ein paar Gedanken und Eindrücke zur Designwerkstatt 2011 niederzuschreiben.
Am Montag, 07.03. trafen sich 11 junge Interessenten für den Studiengang Kommunikationsdesign am Fachbereich Gestaltung der FH Würzburg, um sich eine Woche lang einen Eindruck von diesem Studium zu verschaffen. Gemeinsam mit dem Fotografen Thomas Nutt leitete ich diese Veranstaltung, wir konzipierten im Vorfeld die Lehrinhalte und den organisatorischen Ablauf.

Ziel dieser Schnupperwoche war es, wie schon erwähnt, einen Eindruck von den Studieninhalten zu vermitteln und so entschlossen wir uns, zum Einen einige theoretische Grundlagen zu schaffen und zum Anderen ein Thema zu stellen, das auf Basis des Erlernten praktisch bearbeitet werden sollte.

Zum Theorieteil sei nur soviel erwähnt, dass wir die Teilnehmer in die Grundlagen der Semiotik einführten, sie also mit der Lehre von den Zeichen bekannt machten und Ihnen Termini wie “Ikon, Index, Symbol” und “Konnotation und Denotation” auseinandersetzten. Desweiteren beschäftigten wir uns mit phänomenologischen Überlegungen zur menschlichen Wahrnehmung
und beschrieben einen in mehrere Phasen gegliederten Kreativprozess. Ein weiterer wichtiger Aspekt in Vorbereitung auf den Praxisteil waren auch die Erläuterungen zur konzeptionellen Arbeitsweise und Reflexion im Gestaltungsprozess.

Der praktische Teil begann mit der Themenstellung und dem anschließenden gemeinsamen Brainstorming. Das gestellte Thema hieß “Alternativlos!?”. Zur Wahl dieses Themas hier ein paar kurze Erläuterungen:

Der Begriff wurde im Januar 2011 von der „Gesellschaft für deutsche Sprache” zum „Unwort des Jahres 2010” gekürt. Anlass hierfür war die häufige Verwendung des Wortes seitens Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie anderer Mitglieder der Bundesregierung zur Rechtfertigung ihrer Politik.

„Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungs­prozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe. Behauptungen dieser Art sind 2010 zu oft aufgestellt worden, sie drohen, die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu verstärken.” (Zitat der Jury-Entscheidung)

Die Untersuchung dieses Begriffs hinsichtlich seiner Bedeutung im Kontext gesellschaftlicher, sozialer, ökologischer und kultureller Zusammenhänge führte die Kursteilnehmer aufgrund ihrer persönlichen Präferenzen zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Allen Arbeiten ist jedoch gemein, dass sie sich mit den Grundfragen der modernen Gesellschaft auseinander setzen, die zum Teil aufgrund der jüngsten Ereignisse frappierende Aktualität gewannen.

Nach der Ideenfindung entschieden sich die Teilnehmer für die grafische oder die fotografische Bearbeitung des Themas und wurden dementsprechend von mir oder von Thomas Nutt betreut. Es ging jedoch unabhängig vom Medium stets um eine reduzierte Darstellung und um eine konzeptorientierte Visualisierung der inhaltlichen Idee. Einer abstrakten Idee eine visuelle Form zu verleihen und dadurch einen Sachverhalt auf überraschende Weise sichtbar zu machen – das ist die Aufgabe des Kommunikationsdesigners, der Kern unserer Arbeit.

Die Designwerkstatt 2011 war auch für mich als Kursleiter eine tolle Erfahrung und ich freue mich schon auf 2012. Besonders wertvoll war es für mich, meine Erfahrung mit jungen angehenden Gestaltern teilen zu können und die Entwicklung der einzelnen Teilnehmer mitzuverfolgen, von anfänglicher Verunsicherung hin zu freudigem Selbstbewusstsein. Es sind in dieser Woche tolle Arbeiten entstanden und den Teilnehmern wurde mit der konzeptionellen Arbeitsweise ein wichtiges Werkzeug an die Hand gegeben, das ihnen bei der Erstellung ihrer Bewerbungsmappe sehr von Nutzen sein wird.

(Fotos: Thomas Nutt)

Designwerkstatt vom 07. bis 12. März

In der zweiten Märzwoche leite ich gemeinsam mit dem Fotografen Thomas Nutt die “Designwerkstatt” am Fachbereich Gestaltung der FH Würzburg. Hier ein Auszug des Textes von der Website:

“Die Designwerkstatt bietet allen, die sich für ein Designstudium an einer Hochschule oder an einer Akademie interessieren, einen 5-tägigen Workshop zum Thema “Visuelle Kommunikation” an. Darin geht es um Erfahren, Begreifen und Anwenden von verschiedenen Gestaltungstechniken, Sensibilisierung der Wahrnehmung und des analytischen Sehens.

Durch eine intensive, praktische und theoretische Auseinandersetzung lernen die Teilnehmer ihre Qualifikation für das Designstudium kennen und werden in den Gestaltungsprozess eingeführt.
Außerdem bietet der Kurs eine Orientierung über die verschiedenen gestalterischen Arbeitsfelder an.

Die Kursteilnehmer durchlaufen innerhalb einer Woche ein kompaktes “Mini-Studium”, das anhand kleiner Projekte die Vielschichtigkeit, die Anforderungen und die Qualität des Berufs aufzeigt.

Die Leitung des Kurses wird von erfahrenen Designern übernommen, die neben der inhaltlichen und praktischen Vermittlung gestaltungsrelevanter Aspekte auch ihre beruflichen Erfahrungen mit einbringen.

Die Anmeldung für die Designwerkstatt erfolgt über das Sekretariat der Fakultät Gestaltung der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt.”

Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt
Fakultät Gestaltung
Münzstr 12
97070 Würzburg

Telefon: 0931 3511-206
Telefax: 0931 3511-329

design@fh-wuerzburg.de

Weitere Informationen direkt auf der Website:
http://gestaltung.fh-wuerzburg.de/

Anmeldeschluss ist der 28.02.2011, also beeilen!

Liebe und Tod

Nach Ebo Taylors fulminantem Auftritt auf der Ulla Eisbrecher a.k.a. Arte Noah im Würzburger Hafenbecken konnte ich natürlich nicht widerstehen und habe mir seine Platte gleich gekauft und vom Meister signieren lassen. Er selbst an der Gitarre, unterstützt von seinem Sohn an den Keys, sowie von Musikern der Bands KabuKabu und Poets of Rhythm (dem einen oder anderen vielleicht noch aus den 90ern als Münchner Acid Jazz/Funk-Formation bekannt) zeigte Taylor eindrucksvoll, dass den Afrobeat-Priester der Groove auch im Alter von 75 nicht verlässt.

Satte Bläsersätze, pulsierende Drums, der Sound direkt aus den Siebzigern und doch extrem frisch und knackig. Das muss sich nicht hinter den Arrangements des großen Fela Kuti, oder den neuen Produktionen seines ehemaligen Drummers Tony Allen verstecken – ganz im Gegenteil. Vor etwa 70 Gästen begeisterte Ebo in familiärer Atmosphäre mit einer leidenschaftlichen Performance, sowohl sängerisch und tänzerisch, als auch durch seine gefühlvollen Gitarrensoli. Bestechend auch seine sympathische Ausstrahlung und Authentizität, die ganz ohne die divenhafte Coolness eines Tony Allen auskommt (Nevertheless i´m your fan, Tony!).

Schade, dass der Mitschnitt, der kurzzeitig im Netz war, nicht mehr zur verfügung steht. Bleibt mir nur noch ein Zitat des Schlagzeugers: “You know what the taylors do: they sew dresses. But this man here, he sews music!”

Yes, he does!

hello work!

Kaffee. Zeitung. Internet. Los geht´s!

Kaleidoscom jetzt im Coworking Space Würzburg

Die Eröffnung unseres Coworking Space in der Veitshöchheimer Straße 14 in Würzburg war ein voller Erfolg! Am 24. Januar (vorgestern) versammelten sich ca. 50-60 Interessierte, um sich die neuen Räumlichkeiten anzusehen und dem anschließenden 6. Webmontag Würzburg – und damit der ersten Veranstaltung im Space – beizuwohnen. Auch die Presse war zugegen, gestern liefen Beiträge auf BR und TV Touring (sehr detailierter, 3-minütiger Beitrag!), heute folgte ein sehr ausführlicher Bericht in der Mainpost: http://www.mainpost.de/ueberregional/wirtschaft/mainpostwirtschaft/Coworking-Wuerzburg-Kollegen-zu-mieten;art9485,5943884

Auch Kaleidoscom wird nun im Space seine Wurzeln schlagen. Ich freue mich über Besuch im neuen Heim, den ich stets mit einer Tasse italienischem Kaffee empfangen werde. Für größere Kaffeekränzchen kann man sich auch in den geräumigen Besprechungs- und Konferenzraum zurückziehen.

Hier noch ein paaar Impressionen…

Alle Informationen zum Coworking in Würzburg unter http://coworking-wuerzburg.de/

Frohes Fest und eine gute Zeit!

Beste Grüße,
Christoph Herberth

Das Fenster zum Schnee

Top-Timing: Pünktlich zum Adventsbeginn hat der Winter in Würzburg Einzug gehalten. Schön!

Mein Lieblingscafé

Ein weiterer, wenn auch nicht mehr allzu neuer Impuls in Würzburgs Stadtlandschaft ist das “zweiviertel” in der Neubaustraße. Sehr geschmackvoll und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet, überzeugt es durch eine kleine aber äußerst feine Abendkarte mit exquisiten Gerichten zu günstigen Preisen. Außerdem gibt es eine wiederum kleine aber feine Auswahl an fränkischen Bieren und internationalen Weinen. Klasse statt Masse. Und das auch noch ohne teuer. Wunderbar.

Hello World!

Dies ist der Blog von www.kaleidoscom.de alias Christoph Herberth. Ziel dieses Blogs ist es, einen freien Raum zu schaffen für Inspirationen und Anregungen, wichtige Informationen und nützliche Hinweise, die auf der offiziellen Webseite keinen Platz finden. Es wird hier natürlich vornehmlich um Design im weitesten Sinne gehen. Es wird aber keinerlei Beschränkungen geben und so kann sich der eine oder andere Artikel schon mal recht weit von diesem Themenfeld wegbewegen. Na, dann… Willkommen zu Kaleidosblog!